Nachhaltigkeit

Andacht in Berlin am 14.9.2011

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem! Was du tust, das tue klug, und bedenke das Ende!

 

Nimmt man diesen, ursprünglich aus dem apokryphen Buch „Jesus Sirach“ stammenden Spruch als Lebens – und Politikmotto ernst (Folgenabschätzung, Verantwortung übernehmen für die Folgen eigener Entscheidungen etc.), dann muss man gegenwärtig (bedingt auch durch die kurzen Legislaturperioden, der Notwendigkeit, Kompromisse zu schließen und dem Wunsch, wieder gewählt zu werden) konstatieren, dass es wenig Bereitschaft gibt, längerfristig und nachhaltig und Folgen abschätzend seine Einrichtung und dann entsprechend  zu denken und zu handeln.

Was früher „Verantwortung“ geheißen hat, die man mit zu übernehmen habe spätestens im  Alter, heißt heute Einsicht in  „Nachhaltigkeit“.

 

„Nachhaltigkeit“ ist eine Übersetzung von „sustainable development“, das man im Deutschen am besten mit „dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung“ wiedergibt. Dieser Begriff bezieht sich zuerst zwar auf ökologische Erfordernisse, aber er stellt im Blick auf Entwicklung menschlichen und natürlichen Lebens überhaupt ein umfassenderes Konzept als Orientierungshilfe dar. Er ist wahrscheinlich ein Leitbegriff und Schlüsselwort für die gemeinsame Bewältigung der Menschheitszukunft. (so jedenfalls in der Studie des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie, bereits 1996). Außerdem steht „Nachhaltigkeit“ für das Bewusstsein einer Generation, die nicht nur die eigenen Bedürfnisse zu verfolgen sich vorgenommen hat, sondern auch auf die der nachfolgenden Generationen Rücksicht nehmen will.

Da aber jede Verantwortung eine Verantwortung „vor“ sei, kann man fast sagen. An die Stelle des einstigen Weltenrichters sei die Enkelgeneration getreten.

Wir haben zudem in den vergangenen dreißig Jahren neu gelernt, dass nicht nur wir – als Teil der Natur – endlich sind. Auch die Natur ist endlich. Deshalb darf von ihren Quellen nicht mehr genutzt werden, als sich in gleicher Zeit regeneriert. Und es dürfen in die Umwelt nur so viele Stoffe entlassen werden, wie aufgenommen werden können.

Die Christen nennen das heute „Bewahrung der Schöpfung“. Sie wehren sich gegen eine Umwelt zerstörende Interpretation von 1. Mose 1,28: „Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“

Die entscheidenden Verben unterwerfen (kbsch) und herrschen (rdh) haben zwar auch eine gewaltsame Bedeutung (Deswegen sprach Carl Amery  von dengnadenlosen Folgen des Christentums, die dem Christentum Mitschuld an der globalen Umweltzerstörung gab), eine andere Bedeutung meint aber die verantwortliche Sorge oder Fürsorge zum Wohl des Ganzen – auch in transzendenter Weise, d.h. einschließlich künftiger Generationen.

Diese fürsorgliche Interpretation findet man auch in der zweiten Stelle in der Bibel, die den Kulturauftrag enthält, Gen 2,15: „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und bewahre.“

Wenn das nicht moralistisch klingen und wirken soll, bedarf es der einschränkenden Einsicht, dass wir letztlich nicht „Herr“ oder „Frau“ unserer Diagnostiken und Prognostiken sind, sondern offen bleiben können für das, was aus der Zukunft auf uns zukommt oder uns in die Zukunft hineinziehen will, eben auch in den Hotels.

                                                                       Wolfgang Teichert

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